Etwa 20.000 Menschen starben während der zweiwöchigen Hitzewelle im Juni 2026 in Europa an Organ- oder Kreislaufversagen. In Paris waren die Leichenhallen überfüllt. In Köln schlugen die Krankenhäuser Alarm. An nur einem Hitzewochenende starben dort vier mal mehr Menschen als gewöhnlich. Die Feuerwehr musste hunderte bewusstlose Menschen aus Dachgeschosswohnungen bergen und reanimieren. Seitdem jagt eine vergleichbare Hitzewelle die nächste. Das alles passiert in einer Hitzekatastrophe, die hier noch nicht so genannt wird.
Hitzewellen sind die opferreichsten Naturkatastrophen Europas. Während einige von uns noch mit Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit und Schlafproblemen davon kommen, erleiden andere Organschäden, kollabieren auf der Arbeit oder sterben in überhitzten Wohnungen. Besonders betroffen sind dabei ältere oder vorerkrankte Menschen, aber auch Menschen in Vierteln mit wenig Pflanzen wie dem Hauptbahnhofsviertel, in schlecht gedämmten Wohnungen und an Arbeitsplätzen auf dem Bau oder in der Landwirtschaft.
Warum also reagiert der Staat nicht? Hitzetote sind vermeidbar! Etwa durch die Begrünung von Städten, öffentliche Brunnen, kostenlose Schwimmbäder, staatlich geförderte Isolierung und Klimaanlagen, und durch ein Arbeitsverbot an Hitzetagen bei vollem Lohnausgleich. Doch Hitze verursacht weniger wirtschaftliche Schäden als etwa Überschwemmungen wie im Ahrtal und sie trifft insbesondere alte und vorerkrankte Menschen. Hitze wird nicht als nationale Krise behandelt, weil im Kapitalismus nur das Leben eines arbeitsfähigen Menschen, den Konzerne rentabel verwerten können, etwas wert ist. Und so können wir uns in Sachen Hitzeschutz nicht auf diesen Staat verlassen – der verprasst lieber Milliarden an Fossil- und Kriegskonzerne heizt so die Klimakatastrophe weiter an und sorgt für noch mehr Extremwetter.
Die Hitze kommt nicht von ungefähr. Seit Jahrzehnten wissen wir, dass Öl, Gas, Kohle und Krieg durch Treibhausgase massiv das Klima erhitzen. Wir wissen, dass eine nach Profiten statt nach menschlichen Bedürfnissen und planetaren Grenzen organisierte Wirtschaft unsere Lebensgrundlagen zerstört. Der beste Hitzeschutz wäre immer noch der Klimaschutz. Aber was für uns potenziell tödlich ist, ist profitabel für Überreiche und ihre Politiker:innen, die sich mit Klimaanlagen, Bergchalets, mit Urlaub am Meer, in privaten Bunkern und im gekühlten Dienstwagen vor der Hitze schützen.
Es wird Zeit, dass wir uns wehren! Statt Hitzesommer Klimakrise, Sozialabbau, Kriegsvorbereitung und immer mehr Arbeit, wird es Zeit für eine Gesellschaft, in der wir gemeinsam über die Wirtschaft bestimmen. Eine Gesellschaft, in der wir alle ein lebenswertes Leben führen können. Der Kampf für Klimagerechtigkeit ist längst keine moralische Frage mehr, sondern eine der Selbstverteidigung! Daher: Werdet gemeinschaftlich aktiv! Passt gemeinsam auf eure Nachbar:innen auf, fordert kollektiv am Arbeitsplatz Hitzeschutz, organisiert euch in eurer Nachbarschaft, eurer Firma und den Gewerkschaften oder z.B. bei uns im Antikapitalistischen Klimatreffen München.