Danke EU!

Letzte Woche waren wir mal nicht als Klimaaktivist:innen unterwegs. Sondern als Vertreter:innen des fossilen Kapitals in Deutschland. Zusammen mit Vertretern der deutschen Regierung waren wir bei der Vertretung der EU-Kommission in München und haben uns dort bedankt.

Dafür, dass die EU mit ihrer neuen Taxonomie Gas und Atomkraft für „nachhaltig“ erklärt hat und es damit möglich macht, dass Milliarden an angeblichen „Klimaschutz“-Subventionen in fossile Energien gesteckt werden. Und dafür, dass die EU allgemein seit ihrer Gründung immer eng an unserer Seite stand: Der Seite des fossilen Kapitals.

Die Politik der EU: Stets ein Grund zu feiern für das fossile Kapital!

Hier unser Text, den wir den verdutzten Vertreter:innen der EU-Kommission vorgetragen haben:

Guten Tag!

Wir sind die Vertreter:innen des fossilen Kapitals in Deutschland. Und wir sind heute hier, weil wir einmal „Danke!“ sagen wollten. Vielen Dank dafür, dass Sie weiterhin unsere Profite über eine bewohnbare Erde stellen.

Mit der EU-Taxonomie, die Gas und Atomkraft als nachhaltige Energien labelt, haben Sie sich mal wieder selbst übertroffen. DANKE, dass Sie dafür sorgen, dass wir weiter Gaskraftwerke bauen und den Planeten in Brand setzen können; unsere Aktionär:innen LIEBEN das! Danke!

Annalena Baerbock:

Vielen Dank auch von uns, der deutschen Regierung, dafür, dass wir uns hinter Ihnen verstecken können. Es ist fantastisch, dass wir nun so tun können, als fänden wir die EU-Taxonomie „problematisch“.
Wenn es Sie nicht gäbe, dann müssten wir ja ganz offen verkünden, dass wir die ganzen Milliarden, die für den „European Green Deal“ vorgesehen sind, gerne in die Gasindustrie stecken wollen. Und dann würden die dummen Wähler am Ende auf die Idee kommen, dass es im Green Deal garnicht um Klimaschutz geht, sondern um Subventionen für das Kapital.
Und das fänden die ganzen dummen Wähler garnicht gut, die hängen nämlich an der Erde, das hat vermutlich irgendwas mit Schwerkraft zu tun oder so. Deshalb sind wir wirklich froh, dass wir Sie haben.

Wintershall DEA-CEO:

Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen, als Sie noch „Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl“ hiessen. Seit dieser Zeit sind Sie grösser geworden und wichtiger. Sie haben den Europäischen Energiemarkt liberalisiert, Sie haben Butterberge gebaut und Sie halten den Energiecharta-Vertrag aufrecht, der es uns möglich macht, gegen den Kohleausstieg zu klagen. Und nun haben Sie uns mit dem Green Deal und seiner Taxonomie ein wunderbares Geschenk gemacht: Richtig viel Asche für Erdgas! Ein Traum.
Der BUND hat kürzlich eine Studie über den Green Deal gemacht und ihn als „Fassadenbegrünung“ bezeichnet. Da sieht man mal wieder, wie wenig Ahnung diese Umweltaktivisten haben, denn wir wollen die Fassade ja garnicht begrünen, wir wollen sie privatisieren und dann den Gewinn in fossile Energien stecken. Und vielleicht auch ein bisschen in Atomkraft, damit die Franzosen nicht jammern.


Wir möchten uns heute auch für die kleinen Freuden bedanken. Zum Beispiel die, dass wir im letzten Jahr wieder einer Million Menschen in Deutschland den Strom abdrehen konnten. Das wäre nicht möglich, wenn der Energiemarkt vergesellschaftet wäre. Aber vor dieser sozialistischen Idee schützen Sie uns ja zuverlässig mit der Energiecharta.
Ohne Sie, das muss man ganz klar sagen, würde uns die Ausbeutung von Menschen und Natur viel schwerer fallen. Danke!

Um Ihnen unseren Dank auszudrücken, haben wir Ihnen ein bisschen Geld mitgebracht, wir haben ja genug davon. Auch dank Ihnen.
Sie, die einstige Gemeinschaft für Kohle und Stahl, bekommen heute ganz offiziell von uns den Titel verliehen: Europäische Union für das fossile Kapital!

Alle:
Früher EG für Kohle und Stahl,
Heute EU fürs fossile Kapital!